»Überwachung und Identität«

Manchmal fühle ich mich wie ein Ethnologe. Nur dass ich kein fremdes Volk untersuche, das in Stelzenhäusern wohnt oder Raupen isst, sondern meine seltsamen Mitmenschen. Die sich selbstverständlich eine Zigarette anzünden – obwohl Rauchen verboten ist – , weil sie ihren Anschlusszug verpasst haben und jetzt unerhörte acht Minuten warten müssen. Die zuerst in der Bahn sitzen und Zeitung lesen, die Tasche neben sich auf der Sitzbank, und dann missmutige Geräusche machen, wenn ich mich zu ihnen setze. Und die vor allem alle ein Ziel haben, das mir unbekannt ist oder eine Verabredung mit jemandem, den ich nicht kenne. Gibt es ein unsichtbares Regelwerk, an das sie sich alle halten?