»CLINAMEN die sache des momentanen zustands«

Lukrez sitzt alleine da.

Pause

Er steht auf.

Er läuft von einer Ecke des Raums zur anderen. Nachdem er sich versichert hat, allein zu sein, springt er herum wie ein kleines Kind.

LUKREZ

Bum, bum, bum … bum!
Bum, bum, bum … bum!

Lukrez bleibt stehen.

Sein Gesicht leuchtet auf, als er Raupe erblickt, der jetzt wunderschöne Schmetterlingsflügel hat.

LUKREZ

Du bist es.

RAUPE

Ich bin es.

Raucht

Doch du bist es auch. Alles um uns herum ist es. Das Sinnliche und das Übersinnliche verschränken sich.

Zieht an seiner Zigarette

»Ohne die Abweichung gibt es nur die Gesetze des Schicksals, das heißt die Ketten der Ordnung. Das Neue wird aus dem Alten geboren, das Neue ist nichts als das Alte, wiederholt. Der Winkel unterbricht die stoische Kette, er zerbricht die Foedera Fati, die unendliche Folge der Gründe und Ursachen. Er stört gerade die Naturgesetze. Daher die Erscheinung der Lebewesen, alles dessen, was atmet, und die Pferde stürmen los.«

LUKREZ

Als Schmetterling bist du mir viel sympathischer.

RAUPE

Du weiß doch, raucht, ich kann jetzt mit einem einzigen Flügelschlag hier alles verändern.


Maja Hoffmann: »Clinamen. Launen des Zufalls. Macht der Dämonen«, theoretische Diplomarbeit, 2007
Michel Serres: »La naissance de la physique dans le texte de lucréce«