Jeong-Eun Lee verleiht in ihrer Arbeit der Zeit und dem Prozess des Erinnerns eine bildnerische Form. Ihr zentrales Medium ist das Buch, dessen Gestalt sie allerdings vielfältig variiert. Als Material verwendet sie schmale Holzstäbe. Wichtig ist ihr dabei der historische Bezug zum asiatischen Buch, das traditionell aus einzelnen zusammengebundenen schmalen Holzstäben bestand. Andererseits verweist das Material auch auf den Ursprung des deutschen Wortes »Buchstabe«, das von Buchen-Stab abstammt. In der Arbeit »Topografie der Zeit« reiht sie die Holzstäbe z.B. zu einem endlosen Fries an die Wände des Ausstellungsraumes. Die skizzenhaft mit Tusche gemalten Stadtpläne und Ansichten von Städten und Ländern, die sie zwischen 1995 bis 2003 bereist hat, und die dazugehörenden Reiseberichte werden nur von zwei freien Abschnitten unterbrochen, die als Projektionsflächen für ein Reisevideo dienen. Was die gemalten Bilder zeigen, wird im Video mit filmischen Mitteln weiterentwickelt: Aus fahrenden Zügen gefilmte Landschaften, Kameraschwenks und abgefilmte Fotos wurden durch den Schnitt so aneinander gefügt, dass eine permanente Bewegung von rechts nach links entsteht.